
In Schleswig-Holstein ist der 3. April 2025 ein bedeutender Tag, da die letzten G8-Abiturienten ihre Prüfungen ablegen. Das Abitur dieser Schüler markiert nicht nur einen akademischen Abschluss, sondern auch den Anfang von Traditionen und Feiern, die im Vorfeld sorgfältig geplant werden. Die erste Klausur wurde bereits geschrieben, wobei die Noten der Prüfungen erst in einigen Monaten veröffentlicht werden.
Die Abiturientinnen und Abiturienten in Lübeck und Umgebung bereiten sich auf ihre Mottowoche vor, die ein fester Bestandteil der Abiturzeit ist. Wie ln-online.de berichtet, genießen die Schüler es, sich von populärer Kultur inspirieren zu lassen. Filme, Serien und Videospiele prägen die Wahl ihrer Mottos. Die Schulleitungen stehen jedoch oft auf der Hut und lehnen Mottos ab, die Alkohol oder Drogen thematisieren.
Beliebte Mottos und Traditionen
Die beliebtesten Mottos für 2025 in der Region umfassen kreative Titel wie „ABBI – The Winners take it all“ vom Leibnitz-Gymnasium Bad Schwartau und der Oberschule zum Dom Lübeck sowie „Abitendo – 12 Jahre gespielt, nix gespeichert“ vom Städtischen Gymnasium Bad Segeberg. Weitere beliebte Mottos sind „CAbino Royale – Um jeden Punkt gepokert!“ vom Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium und „G8-Flitzer – im Turbo zum Abi“ von der Johann-Heinrich-Voss-Schule Eutin. Auch „FerrABI – Ein Leben auf der Überholspur“ vom Gymnasium Eckhorst Bargteheide und „ABIrol Spritz, ein bittersüßes Ende“ von der Dahlmannschule Bad Segeberg stehen auf der Liste.
Die Auswahl des Mottos erfolgt oft durch Abstimmung innerhalb des Jahrgangs, wobei vereinzelt auch Anpassungen notwendig sind, wenn Vorschläge von den Schulleitungen abgelehnt werden. Diese Mottos werden dann in die Dekorationen, Abi-Kleidungen und die jeweiligen Veranstaltungen integriert, was den Feiern eine besondere Note verleiht.
Die gesellschaftliche Bedeutung der Abi-Bräuche
Die Entwicklung der Abi-Traditionen spiegelt sich in den Arbeiten von Werner Mezger wider. In seinem Buch „Die Bräuche der Abiturienten – vom Kartengruß zum Supergag“ untersucht er die Veränderungen über die letzten Jahrzehnte. Vor 60 bis 70 Jahren war das Abitur noch von hohem Sozialprestige geprägt; die Absolventen verschickten Postkarten, um ihren Abschluss bekannt zu geben. Ende der 1960er Jahre wandten sich die Feiern jedoch von dieser Formalität ab. Viele ließen sich das Abitur einfach per Post zuschicken.
Die darauffolgenden Jahrzehnte brachten eine Rückbesinnung auf festliche Traditionen, oft angeführt von karnevalesken Elementen. Heute ist das große Finale des Abiturs, bekannt als Abi-Gag, ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten. Mezger beschreibt, dass dieser Gag oft mit einem Unterrichtsblockade-Geschenk an die Mitschüler, Spielaktionen und Sensationscoups wie das Füllen eines Schulhofs mit Wasser oder das Befüllen von Räumen mit Luftballons einhergeht.
Die Abiturienten sind oft dazu motiviert, die kreativen Ideen ihrer Vorgänger zu übertreffen, was einen hohen Erwartungsdruck erzeugt. Den Abschluss zu einem bleibenden Erinnerungszeichen zu machen, ist ein wichtiges Anliegen, da die Schüler auf eine ungewisse Zukunft blicken. Mezger stellt fest, dass je mehr das Abitur an Bedeutung verliert, desto ausgeprägter sind die Abitur-Scherze und Bräuche.
Diese Entwicklungen und ihre Bedeutung werden durch die zunehmende Wertschätzung von formellen akademischen Abschlussfeiern in vielen Universitäten untermauert, die Musik und Reden beinhalten. Abgangsrituale hingegen gewinnen wieder an Bedeutung und bieten den Abiturienten etwas, an das sie sich gerne erinnern werden.